Donnerstag, 18. September 2014

Mauerschau




Man kommt dahin, die Erbsünde zu erkennen - und zu kennen -,
diesen düsteren Kontrapunkt des Bösen,
der in unserem Wesen, ja, von unserem Wesen, 
doch nicht unser Wesen ist.
Dass jemand die Katastrophe bejaht für das, dem wir zu dienen suchen,
und Unglück sogar für die, zu denen wir halten.

Leben in Gott ist nicht Flucht aus dem Leben,
sondern der Weg zur vollen Einsicht:
Es ist nicht unsere Verdorbenheit,
die uns zu einer fiktiven religiösen Lösung zwingt,
sondern das Erleben der religiösen Wirklichkeit,
welches die Nachtseite ans Licht bringt.

Erst dann, wenn wir vor dem allsehenden Blick der gerechten Liebe bleiben,
vermögen wir zu sehen, wagen zu erkennen
und bewusst darunter zu leiden,
dass etwas in uns die Katastrophe begrüßt,
das Misslingen herbeiwünscht,
von der Niederlage stimuliert wird -
sobald es sich um eine Sphäre außerhalb unserer engsten Eigeninteressen handelt.
So ist eine lebendige Gottbeziehung
eine Voraussetzung für die Selbsterkenntnis,
in welcher wir klaren Linien folgen können,
und, in diesem Sinn, siegen und Verzeihung erhalten -
über uns selbst, von uns selbst.







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Sonntag, 14. September 2014