Freitag, 8. August 2014

Ausreisegedicht



Die Gegenstände sehen mich kommen
barfuß
ich gebe ihnen die Freiheit wieder
meinem Bett das mein Bett sein wollte
meinem Tisch
den Wänden die auf mich zu warten versprachen
wie die Wände der Kindheit.
Meine sanften Gegenstände
ihr wolltet mich sammeln.

Gegenstände
ihr seht mich gehn.




Hilde Domin


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Montag, 4. August 2014

herzlich



 Religion als Wagnis,
die sich selber aufzugeben bereite,
ist der nährende Arterienstrom;
als System, besitzend, gesichert und sichernd,
Religion, die an Religionen glaubt,
ist sie Venenblut, das ins Stocken geriet.
Und wenn es nichts gibt,
das uns so das Antlitz des Mitmenschen verstellen kann wie die Moral,
kann die Religion uns wie nichts anderes das Antlitz Gottes verstellen.
Prinzip dort, Dogma hier,
ich weiß die "objektive" Dichtigkeit des Dogmas zu schätzen,
aber hinter beiden lauert der - profane oder heilige - 
Krieg gegen die dialogische Gewalt der Situation,
lauert das Ein-für-alle-mal,
das dem unvorhersehbaren Augenblick widersteht.



Martin Buber


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