Montag, 4. August 2014

herzlich



 Religion als Wagnis,
die sich selber aufzugeben bereite,
ist der nährende Arterienstrom;
als System, besitzend, gesichert und sichernd,
Religion, die an Religionen glaubt,
ist sie Venenblut, das ins Stocken geriet.
Und wenn es nichts gibt,
das uns so das Antlitz des Mitmenschen verstellen kann wie die Moral,
kann die Religion uns wie nichts anderes das Antlitz Gottes verstellen.
Prinzip dort, Dogma hier,
ich weiß die "objektive" Dichtigkeit des Dogmas zu schätzen,
aber hinter beiden lauert der - profane oder heilige - 
Krieg gegen die dialogische Gewalt der Situation,
lauert das Ein-für-alle-mal,
das dem unvorhersehbaren Augenblick widersteht.



Martin Buber


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