Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom 2014 angezeigt.

Begleitung

wach träumt ihr in uns und wo wir schlafen sprecht ihr laut:
einstimmige duette zu singen heißt die fingerübung


Sr.




...und über die da wohnen im finsteren Lande, scheint es hell.

Vesperbild

Pietá, du nahmst ihm das Kreuz ab  dein Kind lebt

bis dass der tod uns nicht scheidet

herzlich nehmen wir anteil wir nehmen teil an den rosen dem gelb dem reich der lebenden toten so wahr sie uns helfen



Sr.







Justitia

als zeugen rufe ich euch ihr uralten das tor ist offen sprecht jetzt



Sr.



siehe

augen seid ihr geworden ihr anders lebendigen daraus strahlt unser weg: mit euch irren wir nicht




Sr.

omnibus

dass nur die nacht uns  holt und sonst niemand so bitten wir gerade heute  in deutsch land amen



Sr.




en miniature

Gib dich nur gleich zur ewigen Ruh, nicht erst beim Tod. Dann leb' drauf zu!


Friedrich Doldinger

Weiß man, was Birken wissen?

Nun war es eine Zeitlang bei der Frau Holle,  da ward es traurig und wusste anfangs selbst nicht,  was ihm fehlte, endlich merkte es, dass es Heimweh war;  ob es ihm hier gleich viel tausendmal besser ging als zu Hause,  so hatte es doch Verlangen dahin.  Endlich sagte es zu ihr:  "Ich habe den Jammer nach Haus kriegt,  und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht,  so kann ich doch nicht länger bleiben,  ich muss wieder hinauf zu den Meinigen." Die Frau Holle sagte:  "Es gefällt mir, dass du wieder nach Hause verlangst,  und weil du mir so treu gedient hast,  so will ich dich selbst wieder hinaufbringen." Sie nahm es darauf bei der Hand und führte es vor ein großes Tor.  Das Tor ward aufgetan,  und wie das Mädchen gerade darunter stand,  fiel ein gewaltiger Goldregen,  und alles Gold blieb an ihm hängen,  so dass es über und über davon bedeckt war.  "Das sollst du haben, weil du so flei…

dauerhaft

Die Überzeugung unserer Fortdauer entspringt mir aus dem Begriff der Tätigkeit; denn wenn ich bis an mein Ende rastlos wirke, so ist die Natur verpflichtet, mir eine andere Form des Daseins anzuweisen, wenn die jetzige meinen Geist nicht ferner auszuhalten vermag.


Johann Wolfgang von Goethe



*


königlich

Es gibt eine Ritterschaft des 21. Jahrhunderts, deren Ritter nicht durch die dunklen Wälder reiten wie früher, sondern sie reiten durch den Wald verdunkelter Gedanken.
Sie sind gewappnet mit geistiger Rüstung, und eine innere Sonne lässt sie erstrahlen.
Aus ihnen scheint Heilung, Heilung, die aus der Erkenntnis stammt, dass der Mensch ein geistiges Wesen ist.
Sie müssen innere Ordnung und Gerechtigkeit, Frieden und Überzeugung schaffen in der Dunkelheit unserer Zeit.
Sie müssen lernen, an der Seite von Engeln zu handeln.


Karl König

*


Erntedank

Gott ist der tiefste Gedanke, den der Mensch je gedacht hat. Gott ist der eigentliche Gedanke der Erde, der einzige all unserer Gedanken, der, geschweige denn in Jahrtausenden, innerhalb ihres, der Erde, ganzen Daseins nicht zu Ende gedacht werden kann. Gott ist die große Frage der Erde, aller Erden: Ihr Leben, ihre offenbare zugleich und geheime Antwort.


Christian Morgenstern

*

Mauerschau

Man kommt dahin, die Erbsünde zu erkennen - und zu kennen -, diesen düsteren Kontrapunkt des Bösen, der in unserem Wesen, ja, von unserem Wesen,  doch nicht unser Wesen ist. Dass jemand die Katastrophe bejaht für das, dem wir zu dienen suchen, und Unglück sogar für die, zu denen wir halten.
Leben in Gott ist nicht Flucht aus dem Leben, sondern der Weg zur vollen Einsicht: Es ist nicht unsere Verdorbenheit, die uns zu einer fiktiven religiösen Lösung zwingt, sondern das Erleben der religiösen Wirklichkeit, welches die Nachtseite ans Licht bringt.
Erst dann, wenn wir vor dem allsehenden Blick der gerechten Liebe bleiben, vermögen wir zu sehen, wagen zu erkennen und bewusst darunter zu leiden, dass etwas in uns die Katastrophe begrüßt, das Misslingen herbeiwünscht, von der Niederlage stimuliert wird - sobald es sich um eine Sphäre außerhalb unserer engsten Eigeninteressen handelt. So ist eine lebendige Gottbeziehung eine Voraussetzung für die Selbsterkenntnis, in welcher wir klaren Linien folgen können, und, …

Rosenblätter

euer duft, ihr fünf, hat mich angelockt
ich stehe, ihr unterlagt
kommt jetzt, wir gehen weiter



Sr.


*

Durchsicht

dorthin brich, auge, der tod ist blau und ein raum, wände sind wir, die ihn bilden



Sr.

*

in Anlehnung

aufwärts gewachsen: die leiter kennt sich da aus. los, alle ihr nach




Sr.


*

wie es perlt

Wie schön und rechtmäßig klingt das volle Ich Goethes! Es ist das Ich des reinen Umgangs mit der Natur; sie ergibt sich ihm und spricht unaufhörlich mit ihm, sie offenbart ihm ihre Geheimnisse  und verrät doch ihre Geheimnisse nicht. Es glaubt an sie und spricht zur Rose: "Du bist es also" - da steht es mit ihr in einer Wirklichkeit. Daher bleibt, wenn es auf sich zurückgeht, der Geist des Wirklichen bei ihm, das Schauen der Sonne haftet an dem glücklichen Auge, das sich auf seine Sonnenhaftigkeit besinnt, und die Freundschaft der Elemente geleitet den Menschen in die Stille des Sterbens und Werdens.


Martin Buber

*

zu Goethes 265. Geburtstag





zuFall

Gott sagt nicht: "Das ist ein Weg zu mir, das aber nicht", sondern er sagt: "Alles, was du tust, kann ein Weg zu mir sein, wenn du es nur so tust, dass es dich zu mir führt." Was aber dies ist, das eben dieser Mensch und kein andrer tun kann und tun soll, kann ihm nur aus ihm selber offenbar werden.


Martin Buber



*


vor lauter Bäumen den Mensch sehen

*

Die Bilder sind aufgenommen im FriedWald Dudenhofen am 16. August 2014.

*

angelockt

wer weiß wie engel schmecken wer hat noch den geschmack auf der zunge von damals als sie uns küssten zum abschied

wer weiß wie engel schmecken wer fühlt noch den mund der uns sagt und meint



Sr.


*

Götterstrahl

dein sonnengesang schwester leuchtet mir ein
komm flamme wir wollen uns anzünden
zum
friedensfeuer



Sr.

Abgesang

Fährfrau mit dem runden Hut Hast du ihn gesehen? Ja, sagt die Fährfrau.
Hirte mit dem toten Lamm Hast du ihn gesehen? Ja, sagt der Hirte.
Bergmann mit dem weißen Licht Hast du ihn gesehen? Ja, sagt der Bergmann.
Welchen Weg ging er, Fährfrau? Übers Wasser trocknen Fußes.
Welchen Weg ging er, Hirte? Berghinüber leichten Atems.
Welchen Weg ging er, Bergmann? In der Erde lag er still.
Was stand auf seinem Gesicht geschrieben? Frieden, sagten alle, Frieden.



Marie Luise Kaschnitz



*

Ausreisegedicht

Die Gegenstände sehen mich kommen barfuß ich gebe ihnen die Freiheit wieder meinem Bett das mein Bett sein wollte meinem Tisch den Wänden die auf mich zu warten versprachen wie die Wände der Kindheit. Meine sanften Gegenstände ihr wolltet mich sammeln.
Gegenstände ihr seht mich gehn.



Hilde Domin

*

herzlich

Religion als Wagnis, die sich selber aufzugeben bereite, ist der nährende Arterienstrom; als System, besitzend, gesichert und sichernd, Religion, die an Religionen glaubt, ist sie Venenblut, das ins Stocken geriet. Und wenn es nichts gibt, das uns so das Antlitz des Mitmenschen verstellen kann wie die Moral, kann die Religion uns wie nichts anderes das Antlitz Gottes verstellen. Prinzip dort, Dogma hier, ich weiß die "objektive" Dichtigkeit des Dogmas zu schätzen, aber hinter beiden lauert der - profane oder heilige -  Krieg gegen die dialogische Gewalt der Situation, lauert das Ein-für-alle-mal, das dem unvorhersehbaren Augenblick widersteht.


Martin Buber

*



von Rosen gedacht

Der du meine Wege mit mir gehst, jede Laune meiner Wimper spürst, meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst - weißt du wohl, wie heiß du oft mich rührst?
Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern. Meine Liebe wird mich überdauern und in fremden Kleidern dir begegnen und dich segnen. Lebe, lache gut! Mache deine Sache gut!


Joachim Ringelnatz




*

lumen

Ist dies Neuland in anderer Wirklichkeit als der des Tages? Oder lebte ich da vor diesem Tag?



Dag Hammarskjöld



tit for tat

Es sind die Lebenden, die den Toten die Augen schließen.
Es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen.



Slawisches Sprichwort



298 mal 2 Augen


*