Montag, 23. Dezember 2013

Dienstag, 10. Dezember 2013

"So nahe...


...meine lieben Freunde, 
liegt es uns ja in dieser Zeit,
anzuklopfen an die Pforte, 
durch die das Menschenwesen dringt, 
wenn es diesen irdischen Leib in irgendeiner Form verlässt. 
Zu dem hin drängt es uns, 
zu dem das Menschenwesen aufblicken kann, 
wenn es einen höheren Trost, 
eine tiefere Kraftquelle braucht, als der Trost sein kann, 
der nur vom materiellen Leben kommt, 
als die Kraftquellen sein können, 
die nur innerhalb des materiellen Lebens liegen. 
Wie tausendfältig klopft die Stimme der geistigen Welt 
in unserer Zeit an unsere Herzen, 
auch solcher Menschen, 
die ja oftmals mit ihren Herzen
nicht eindringen wollen in die geistige Welt, 
obwohl diese Herzen auch für jene Menschen 
die Fenster sind in die geistige Welt hinaus. 
Wie deutlich klopft so tausendfältig 
diese geistige Welt in unserer Zeit an diese Fenster, 
und wie muss es uns naheliegen, 
wiederum einmal von einem besonderen
Gesichtspunkte aus zusammenzufassen mancherlei, was wir
wissen können über diese geistige Welt...



Rudolf Steiner:
Schicksalsbildung und Leben nach dem Tod


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Sonntag, 8. Dezember 2013

zweitens:



dich denken,
lebendig begraben
unter den gesetzen
mehr als zweitausend jahre
nach pontiuspilatus:

steh auf



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Samstag, 30. November 2013

Adventsrede




Und die Bewegtheit des Herrn ist ohne Groll und von großer Dauer.
Und seine Gerechtigkeit hört nicht auf, und seine Güte bleibt ewig.
Und darum entfernen wir gern die Bitterkeit, wie ein enges Gewand.
Und die Trauer legen wir ab, wie einen Mantel im Frühling.

Und mit viel Sorgfalt nehmen wir die Einsamkeit von unserer Stirn.
Und wir weisen unsere Aufmerksamkeit hin zu den einfachen Dingen.
Und wir verlassen uns auf das Dach, das keinen Regen durchlässt.
Und wir vertrauen dem Stuhl, der fest steht, und der uns trägt.

Und es kommen wieder zu uns die täglichen Wiesen und die Sonntage.
Und die Salamander mit den seidenen Strümpfen und goldenen Hemden.
Und auch die Lämmer und die Zicklein ... meine gnädigen Freunde.

Und die Lieder der Hirten ... und die Gebete der erwachenden Frauen.
Und es brechen die Tore auf ... und es treten hervor die Erkennbaren.
Und sie stehen makellos da ... und sie breiten ihre Flügel aus.



Jesse Thoor



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Mittwoch, 27. November 2013

Sonntag, 24. November 2013

Stimmabgabe



Wäre ich an Ihrer Stelle,
ich wüsste nicht, was mir zustoßen könnte,
doch bin ich ziemlich sicher,
dass ich zum voraus keinen Suizid planen würde.
Eher hielte ich am Leben fest,
solange ich imstande wäre,
mein Schicksal zu ertragen,
oder bis reine Verzweiflung meine Hand führte.
Der Grund für diese "unvernünftige" Einstellung läge für mich
in einer großen Unsicherheit über das, was nach dem Tod geschieht.
Ich habe gute Gründe anzunehmen,
dass die Dinge mit dem Tod nicht zu Ende sind.
Es scheint, als sei das Leben
ein Zwischenspiel in einer langen Geschichte.
Sie bestand schon, bevor ich war,
und wird höchstwahrscheinlich weitergehen,
wenn das bewusste Intervall in einer dreidimensionalen Existenz zu Ende ist.
Aus diesem Grunde würde ich so lang als menschenmöglich durchhalten,
würde versuchen, alle vorgefassten Meinungen fallen zu lassen,
und die mir zukommenden Winke über post-mortem Ereignisse ernsthaft bedenken.
...
Vergewissern Sie sich zuerst,
ob es wirklich Gottes Wille ist, dass Sie sich umbringen,
oder nur der Wille Ihrer Vernunft.
Letzterer zählt entschieden nicht genug.
Ist es ein Akt reiner Verzweiflung,
wird er nicht gegen Sie sprechen,
doch ein willentlich geplanter Akt mag schwer gegen Sie ins Gewicht fallen.
Das ist meine inkompetente Meinung.
...
Ich unterschätze nicht Ihre wahrhaft schreckliche Qual.



Carl Gustav Jung
am 19.11.1955


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Freitag, 22. November 2013

Vorlesung



...und ich begriff,
dass wir hier auf der Erde
von den Unsichtbaren dauernd umgeben sind.
Nicht äußerlich,
sondern innerlich oder besser gesagt,
wo Innen und Außen ein und dasselbe sind.


Günther Lange


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Mittwoch, 20. November 2013

Blattgold



Bis alles so still ist, dass nachts
Im Tale des Todes wieder
Stehn an die Felsen gelehnt:
Stumme riesige Engel.



Marie Luise Kaschnitz


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Montag, 18. November 2013

Zweiklang



Das Wiedererkennen seiner Lieben dort
ist gar nicht besonders schwierig,
denn dort trägt sozusagen jeder
seine geistige innere Wesenheit
auf seinem geistigen Antlitz geschrieben.
Er spricht seinen Namen selbst aus,
und zwar in einer viel passenderen Weise,
als es hier möglich ist,
als seinen eigenen Grundton...,
der er auch selber ist
in der geistigen Welt.


Rudolf Steiner







Samstag, 16. November 2013

Brotberuf




Denn was geschieht, ist maßlos. Und Entsetzen
wölkt wie Gewitter über jedem Nacken. 
Es jagt der Tod mit flammenden Schabracken 
durch Tag und Nacht, und seine Hufe fetzen, 
was Werk und Leben heißt, zu tausend Stücken.


Rudolf Hagelstange, 1944


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Samstag, 9. November 2013

anhand



Der Mensch kann sich in einem gegebenen Augenblick,
in jedem gegebenen Augenblick wirklich entscheiden.
und nimmt damit in einer nach Art und Maß
unvorstellbaren Möglichkeitssphäre
an der Entscheidung über das Geschick
des nächsten Augenblicks teil.


Martin Buber

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Freitag, 1. November 2013

Logos




Das Wort ist mein Schwert
und das Wort beschwert mich.
Das Wort ist mein Schild
und das Wort schilt mich.
Das Wort ist fest
und das Wort ist lose.
Das Wort ist mein Fest
und das Wort ist mein Los.


Erich Fried

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Sonntag, 27. Oktober 2013

Findling

 wo der stein mich ansah, 
freundin,
fand ich dich



aus deinem aschenen haar 
wachsen nüsse



 engel stufen sich
darauf gehen wir
zueinander 



 der herbst handelt
von rosen



berge sind 
nur sanft


*







Donnerstag, 17. Oktober 2013

Durchsicht


freund ohne haus
komm, wir teilen uns
ich leihe dir gehör
dass ich sehe mit deinen augen
freund ohne haus
komm, wir teilen uns
aus

*


Freitag, 27. September 2013

aufgewacht!


eia wasser regnet schlaf
eia abend schwimmt ins gras
wer zum wasser geht wird schlaf
wer zum abend kommt wird gras
weißes wasser grüner schlaf
großer abend kleines gras
es kommt es kommt
ein fremder


*


Elisabeth Borchers
27.2.1926
25.9.2013

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Mittwoch, 18. September 2013

Dienstag, 6. August 2013

es wird.



"Das Unsichtbare sichtbar
und das Sichtbare durchsichtig machen."


Robert Häusser

8.11.1924
5.8.2013



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Seit dem 24.3.2013 bis zum 12.1.2014 gibt es in Mannheim diese Ausstellung:
Robert Häusser - Im Auftrag ...



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Dienstag, 30. Juli 2013

Ein alter Tibetteppich


Deine Seele, die die meine liebet,
Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.



Strahl in Strahl, verliebte Farben,
Sterne, die sich himmellang umwarben.



Unsere Füße ruhen auf der Kostbarkeit,
Maschentausendabertausendweit.




Süßer Lamasohn auf Moschuspflanzenthron,
Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl
Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon?



Else Lasker-Schüler



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Mittwoch, 10. Juli 2013

Du, Hände




Du, Hände, welche immer geben, 
die müssen blühn von fremdem Glück.
Zart wie ein zages Birkenbeben 
bleibt von dem gebenden Erleben 
ein Rhythmenzittern drin zurück.

Das sind die Hände mit den schmalen
Gelenken, die sich leise mühn; 
und wüssten die von Kathedralen, 
sie müssten sich in Wundenmalen 
vor allem Volke heiligblühn.


Rainer Maria Rilke



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