Freitag, 8. Juli 2011

im Süden



Mein Mann wollte immer im Süden sterben, am Strand.
Jetzt habe ich ihm hier ein Grab Richtung Süden ausgesucht.
Eine Urne aus Bronze.
Darin ist aber nur ein Teil der Asche.
Der andere Teil ist in seinem Arbeitszimmer, zu Hause,
in einer Urne aus Keramik.
Die will ich eines Tages auf ein Schiff bringen
und die Asche ins Meer streuen.
Im Süden.
Weil er ja nach Süden wollte, mein Mann.
Pssst, das weiß niemand, wir haben es so mit Beziehung organisiert.
Die Keramikurne hat einen kleinen Spalt,
und wenn man sie schüttelt, fällt Asche heraus.
Ich habe ein bisschen auf Papier geschüttet
und meinem Enkel mitgegeben.
Siehst du, das ist der Opa, habe ich ihm gesagt.
Später rief er an: Oma, welcher Teil vom Opa ist das?
Ich sage: Von allem ein bisschen!
Da war er zufrieden.



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Dienstag, 5. Juli 2011

Rede von der Anschauung





Und es kommen die Vögel von den Bergen und aus jeder Richtung.
Und es kommen die Fische mit den hellen Kreuzen auf ihren Rücken.
Und die Sterne mit den verzweigten Augen und mit den weisen Händen.
Und die Monde mit den silbernen Geräten und mit den höchsten Reden.

Und du bleibst immer bei mir, und du verlässt mich nicht.
Und du wendest mühelos meinen Leib, und du begleitest mich.
Und du läuterst meine Wünsche, und du änderst meine Gedanken.
Und du richtest mich wieder auf, und du beendest meine Not.

Und ich erwäge den Lauf des Regens und den Rat der Sonne.
Und ich rufe deinen Namen laut und vor allen Leuten.
Und ich esse dein Brot, und ich trinke deinen Wein.

Und es kommen deine Wochentage zu mir mit großer Verheißung.
Und es kommen deine vier Boten mitsamt den sieben heiligen Zeichen.
Und dein Wille geschieht zur Zeit ... und geschieht in Ewigkeit.








Jesse Thoor



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