Dienstag, 2. November 2010

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Im Paradies die Flüsse all
Sie fließen mit dem Ruf Allah
Und dort auch jede Nachtigall,
Sie singt und singt Allah Allah.

Des Tubabaumes Zweige dicht,
Die Zunge, die Koranwort spricht,
Des Paradieses Rosen licht,
Sie duften nur Allah Allah.
 
Die Stämme sind aus Gold so klar,
Aus Silber ist der Blätter Schar.
Die Zweige, die entsprossen gar,
Sie sprossen mit dem Ruf Allah.
 
Die Huris an dem hohen Ort,
Sie strahlen mehr als Mondlicht dort,
Und Moschus, Ambra ist ihr Wort –
Sie wandeln mit dem Ruf Allah!
 
Die je von Herzen heiß geminnt,
Von deren Aug' die Träne rinnt,
Bis ganz und gar von Licht sie sind –
Sie sagen immer nur Allah.
 
Was du begehrst, von Gott begehr,
Laß führen dich zum Wege her.
Die Nachtigall liebt Rosen sehr –
Sie singt und singt Allah Allah.
 
Die Himmelstür ward aufgetan,
Erbarmen füllt nun alles an.
Das Tor der Paradiesesbahn
Tut auf sich mit dem Ruf Allah.
 
Du, Yunus, sollst zum Freunde gehn!
Laß nicht das Heut bis morgen stehn!
Denn morgen will zu Gott ich gehn,
Will wandern mit dem Ruf Allah!


Yunus Emre 








Worte hier gefunden


Sonntag, 31. Oktober 2010

Psalm



Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern Staub.
Niemand.

Gelobt seist du, Niemand.
Dir zulieb wollen
wir blühn.
Dir
entgegen.

Ein Nichts
waren wir, sind wir, werden
wir bleiben, blühend:
die Nichts-, die
Niemandsrose.

Mit
dem Griffel seelenhell,
dem Staubfaden himmelswüst,
der Krone rot
vom Purpurwort, das wir sangen
über, o über
dem Dorn.

Paul Celan