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einWände

Im angrenzenden Außenbereich 
findet sich ein neu angelegter Friedhof.

Alte Mauerreste umschließen einen
nahezu quadratischen,
nach oben offenen Raum

Der Boden ist gleichmäßig bedeckt
von hellen Schottersteinen.
Darunter sind an verschiedenen Stellen
Röhren in den Boden eingelassen.
Die genauen Stellen sind auf einem Plan bezeichnet,
der jedoch nicht für den Besucher einsehbar ist.
In die Röhren werden Urnen in die Erde gegeben.
Die Urnen bestehen aus nicht gebranntem Ton,
der nach wenigen Monaten sich auflöst
und mitsamt der Asche des Verstorbenen
von der Erde aufgenommen wird.


An der Stirnwand ist eine große Gedenktafel befestigt,
die in ihrer Mitte die griechischen Buchstaben
Alpha und Omega trägt,
erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabets.
Kleine Steintäfelchen, 
die in die große Tafel eingesetzt sind,
tragen die Namen der hier bestatteten Menschen.


Die für die Klosterkirche zuständige Dekanin
wollte mit diesem Impuls die Möglichkeit schaffen,
dass Menschen wieder in unmittelbarer Nähe zur Kirche 
bestattet werden können.
Sie stieß dabei auf starken Widerstand der Dorfbewohner,
die so nah und unübersehbar den Tod nicht wollten.
Dennoch entstand dieser Friedhof,
der in seiner Gestalt 
einen nach oben offenen Innenraum bildet.
Tragenden Grund, der begehbar ist, bilden die Toten.


weitere Information hier





Kommentare

  1. Den Untertiel "Lebensraum für den Tod" kann ich gut annehmen.
    Worte zu finden ist sicher schwer.
    Immer wieder macht mich der Tod "Wortlos". Bei Jedem, der gegangen ist...und nach und nach finden sich die Worte wieder. Dein Blog hier ist ein Teil der Worte, finde ich für mich.
    Elisabeth

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einstimmig

stimm an, tote,
das große wort,
lass uns hören,
was zu sagen ist,
gib den ton an,
damit es stimmt,
so sprechen wir
aus einem mund,
dein vorbild
lacht uns an.


Sr.

für Mirjam Hege


*

Adventsrede

Und die Bewegtheit des Herrn ist ohne Groll und von großer Dauer. Und seine Gerechtigkeit hört nicht auf, und seine Güte bleibt ewig. Und darum entfernen wir gern die Bitterkeit, wie ein enges Gewand. Und die Trauer legen wir ab, wie einen Mantel im Frühling.
Und mit viel Sorgfalt nehmen wir die Einsamkeit von unserer Stirn. Und wir weisen unsere Aufmerksamkeit hin zu den einfachen Dingen. Und wir verlassen uns auf das Dach, das keinen Regen durchlässt. Und wir vertrauen dem Stuhl, der fest steht, und der uns trägt.
Und es kommen wieder zu uns die täglichen Wiesen und die Sonntage. Und die Salamander mit den seidenen Strümpfen und goldenen Hemden. Und auch die Lämmer und die Zicklein ... meine gnädigen Freunde.
Und die Lieder der Hirten ... und die Gebete der erwachenden Frauen. Und es brechen die Tore auf ... und es treten hervor die Erkennbaren. Und sie stehen makellos da ... und sie breiten ihre Flügel aus.


Jesse Thoor


*

Fischzug

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