Freitag, 24. Dezember 2010

erblickt







Ihr Lieben,
nun wünsche ich euch allen gesegnete Tage und Nächte
in Seelenfrieden und Himmelsruhe
und weite Herzen,
um zu empfangen,
was da kommt.


Stefanie

(wenn es so kommt,
ab 6. Januar wieder hier) 













Dienstag, 21. Dezember 2010

weil

Ich besuche sehr oft Friedhöfe. 
Ich betrete den Ort und horche, welcher Mensch gerufen hat. 
Ich lasse mich führen. 
Ich finde ihn oder sie, die ich nicht kannte zu Lebzeiten. 
Ich nehme seine/ihre "Geste" entgegen. 
Ich hole ihn/sie ab. 
Er/sie geht dann mit mir weiter. 
Wir sind verbunden. 
Er/sie führt mich weiter. 
Unsere Seelen fühlen Frieden. 
Der Christus geht in mir und ich in ihm 
zu den sogenannten Lebenden und zu den sogenannten Toten. 




Mittwoch, 15. Dezember 2010

am Brunnen:




Ich schaue auf Dich in der geistigen Welt,
In der Du bist.
Meine Liebe lindre Deine Wärme.
Meine Liebe lindre Deine Kälte.
Sie dringe zu Dir
Und helfe Dir,
Zu finden den Weg
Durch des Geistes Dunkel
In des Geistes Licht.




Rudolf Steiner
















Mittwoch, 8. Dezember 2010

Eis am Licht


Was die Menschen begründen wollen,
durch den Kontrast wird es begründet heute.

Rudolf Steiner

siehe auch hier



Samstag, 4. Dezember 2010

Eingang




Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus
aus deiner Stube, drin du alles weißt;
als letztes vor der Ferne liegt dein Haus;
wer du auch seist.
Mit deinen Augen, welche müde kaum
von der verbrauchten Schwelle sich befrein,
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum
und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.
Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß
und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.
Und wie dein Wille ihren Sinn begreift,
lassen sie deine Augen zärtlich los...


Rainer Maria Rilke







Sonntag, 28. November 2010

Meine lebendigen Toten




Meiner Toten will
ich vor dir gedenken, Herr,
aller derer, die einmal
zu mir gehörten
und von mir gegangen sind.
Ihrer sind viele, so viele,
dass ich sie gar nicht
mit einem Blick überschauen kann,
sondern in der Erinnerung
meinen Lebensweg
noch einmal entlang gehen
muss, wenn meine Trauer
sie alle grüßen will.

Stiller Gott,
Gott der stillen Toten,
lebendiger Gott
der Lebendigen, Rufer
durch Schweigen, Gott derer,
die durch ihr Schweigen
mich in dein Leben
hineinrufen wollen,
lass mich meine Toten,
meine Lebendigen
nicht vergessen.



Karl Rahner







Montag, 15. November 2010

Marianne



Das Zeichen sieht er prächtig aufgerichtet,
Das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht,
Zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet,
Zu dem viel tausend Herzen warm gefleht,
Das die Gewalt des bittern Tods vernichtet,
Das in so mancher Siegesfahne weht:
Ein Labequell durchdringt die matten Glieder,
Er sieht das Kreuz, und schlägt die Augen nieder.

Er fühlet neu, was dort für Heil entsprungen,
Den Glauben fühlt er einer halben Welt;
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Es schwillt der Kranz, um recht von allen Seiten
Das schroffe Holz mit Weichheit zu begleiten.

Und leichte Silber-Himmelswolken schweben,
Mit Kreuz und Rosen sich empor zu schwingen,
Und aus der Mitte quillt ein heilig Leben
Dreifacher Strahlen, die aus einem Punkte dringen;
Von keinen Worten ist das Bild umgeben,
Die dem Geheimnis Sinn und Klarheit bringen.
Im Dämmerschein, der immer tiefer grauet,
Steht er und sinnt und fühlet sich erbauet.


aus: Die Geheimnisse
Johann Wolfgang Goethe




Samstag, 13. November 2010

ohne Zucker




Schmerz ist berechtigt,
man soll stark werden, ihn zu tragen,
aber man soll ihn sich nicht ausreden lassen...
Derjenige, der hier als Hinterbliebener ist,
hat mit Bezug auf Kinder,
die ihm hinweggestorben sind,
seien es seine eigenen oder solche,
die er sonst geliebt hat...
einen gewissen Mitgefühlsschmerz. -
Kinder bleiben eigentlich bei uns,
und dadurch,
dass wir mit ihnen verbunden waren,
bleiben sie uns so nahe,
übertragen sie ihren Schmerz auf unsere Seelen,
und wir fühlen ihren Schmerz,
dass sie noch gerne da wären.
Dadurch wird ihnen der Schmerz leichter,
dass wir ihn mittragen.
Eigentlich fühlt das Kind in uns.
Es ist gut,
wenn es mit uns fühlen kann,
dadurch wird ihm sein Schmerz erleichtert.



Rudolf Steiner
Der Tod als Lebenswandlung
Nürnberg, 10. Februar 1918










Mittwoch, 10. November 2010

tragbar



Eine Frage ist,
ob es eine Möglichkeit gibt,
die menschliche Wesenheit so anzuschauen,
dass diese Anschauung
sich als Stütze erweist für alles andere,
was durch Erleben oder Wissenschaft
an den Menschen herankommt,
wovon er aber die Empfindung hat,
es könne sich nicht selber stützen.



Rudolf Steiner
Vorrede zu "Die Philosophie der Freiheit", 1918










Montag, 8. November 2010

sichtbar




Heute glaubt man:
Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist,
hört seine Tätigkeit in bezug auf die physische Welt auf.

Nein, sie hört nicht auf.
Ein fortwährender reger Verkehr findet statt
zwischen den sogenannten Toten und den sogenannten Lebenden.
Und wir können sagen:
Diejenigen, die durch die Pforte des Todes gegangen sind,
sie haben nicht aufgehört,
da zu sein,
nur unsere Augen haben aufgehört,
sie zu sehen;
sie aber sind da.
Unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Willensimpulse,
sie stehen mit ihnen in Verbindung.





Rudolf Steiner
Der Tod als Lebenswandlung
Nürnberg, 10. Februar 1918











Sonntag, 7. November 2010

Dienstag, 2. November 2010

auf der Seite



Im Paradies die Flüsse all
Sie fließen mit dem Ruf Allah
Und dort auch jede Nachtigall,
Sie singt und singt Allah Allah.

Des Tubabaumes Zweige dicht,
Die Zunge, die Koranwort spricht,
Des Paradieses Rosen licht,
Sie duften nur Allah Allah.
 
Die Stämme sind aus Gold so klar,
Aus Silber ist der Blätter Schar.
Die Zweige, die entsprossen gar,
Sie sprossen mit dem Ruf Allah.
 
Die Huris an dem hohen Ort,
Sie strahlen mehr als Mondlicht dort,
Und Moschus, Ambra ist ihr Wort –
Sie wandeln mit dem Ruf Allah!
 
Die je von Herzen heiß geminnt,
Von deren Aug' die Träne rinnt,
Bis ganz und gar von Licht sie sind –
Sie sagen immer nur Allah.
 
Was du begehrst, von Gott begehr,
Laß führen dich zum Wege her.
Die Nachtigall liebt Rosen sehr –
Sie singt und singt Allah Allah.
 
Die Himmelstür ward aufgetan,
Erbarmen füllt nun alles an.
Das Tor der Paradiesesbahn
Tut auf sich mit dem Ruf Allah.
 
Du, Yunus, sollst zum Freunde gehn!
Laß nicht das Heut bis morgen stehn!
Denn morgen will zu Gott ich gehn,
Will wandern mit dem Ruf Allah!


Yunus Emre 








Worte hier gefunden


Sonntag, 31. Oktober 2010

Psalm



Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern Staub.
Niemand.

Gelobt seist du, Niemand.
Dir zulieb wollen
wir blühn.
Dir
entgegen.

Ein Nichts
waren wir, sind wir, werden
wir bleiben, blühend:
die Nichts-, die
Niemandsrose.

Mit
dem Griffel seelenhell,
dem Staubfaden himmelswüst,
der Krone rot
vom Purpurwort, das wir sangen
über, o über
dem Dorn.

Paul Celan












Sonntag, 24. Oktober 2010

an der Mauer








Die Toten sind ja fortwährend da.
Sie sind sich bewegend, 
sich verhaltend in einer übersinnlichen Welt da.
Wir sind nicht von ihnen getrennt durch unsere Realität,
wir sind von ihnen nur getrennt durch den Bewusstseinszustand.
Wir sind nicht anders von den Toten getrennt,
als wir im Schlafe getrennt sind von den Dingen um uns herum:
Wir schlafen in einem Raume,
und wir sehen nicht Stühle und vielleicht anderes nicht,
das in dem Raume ist, trotzdem es da ist...
Wir leben also nicht getrennt von der Welt,
in der die Kräfte der Toten walten;
wir sind mit den Toten in einer gemeinsamen Welt.
Getrennt von ihnen sind wir für das gewöhnliche Bewusstsein
nur durch den Bewusstseinszustand.


Rudolf Steiner
Über das Verbundensein der Lebenden mit den Toten
Vortrag am 5. Februar 1918



Samstag, 23. Oktober 2010

22.10.1940



Seit gestern gibt es nun auch in Neustadt/Weinstraße einen Wegweiser nach Gurs.
Im Rahmen einer Gedenkfeier für die nach Gurs deportierten Juden
in der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion am 21. und 22. Oktober 1940 wurde er enthüllt.






*

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Segler




Aber wirklich, ebenso wie wir mit Wärme und Kälte, mit dem, was unsere Nahrung wird, mit der Luft der Umgebung in Verbindung stehen, so stehen wir ... vor allen Dingen mit demjenigen in Verbindung, was von Seiten der vor uns verstorbenen Toten kommt. Und man kann wirklich sagen: Des Menschen Wirken für seine Mitmenschen hört nicht auf, wenn er durch die Pforte des Todes geht, und durch seinen Ätherleib, mit dem er selber in Verbindung bleibt, schickt er seine Imaginationen in diejenigen hinein, mit denen er in Verbindung gestanden hat. Eigentlich ist diese Welt, auf die wir da hindeuten, für unser menschliches Leben, wenn sie auch aus guten Gründen unbemerkt bleibt für das alltägliche Leben, eine viel realere als diejenige, die wir gewöhnlich die reale nennen.

Rudolf Steiner: Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten,
Bern, 9. November 1916